Einige Fragen und Antworten zur Jenaplanschule Rostock

Stand
Juni 2010

Wir haben hier Fragen gesammelt, die immer wieder an uns gestellt werden. Die Antworten finden Sie viel ausführlicher im Schulkonzept, dass wir Ihnen gern als PDF zusenden. Einen guten kurzen Überblick erhalten Sie aber auch aus den folgenden Antworten. Bitte scheuen Sie sich nicht, weitere Fragen an uns zu stellen.

Viel Spaß beim Lesen!

Martin Plant
Schulleiter

Schulaufnahme und Schulorganisation

1 Wie kann ich mein Kind an der Jenaplanschule Rostock anmelden?
2 Werden Quereinsteiger aufgenommen?
3 Ist die Jenaplanschule eine Ganztagsschule?
4 Wie ist die Schule organisiert?
5 Wie ist der Schultag strukturiert?
6 Welche Unterrichtsfächer gibt es an der Jenaplanschule?
7 Wie viele Wochenstunden haben die Kinder an der Jenaplanschule?
8 Welche Funktion hat ein Stammgruppenleiter?
9 Wie kommen Lehrer an die Jenaplanschule und welche Vorraussetzungen sind nötig?

Eltern und Schule
10 Ist die Mitarbeit von Eltern erwünscht?
11 Wie ist die Elternbeteiligung organisiert?
12 Wie können Eltern ihr Kind beim Lernen unterstützen?

Lernorganisation und Leistungsmotivation
13 Welche Funktion hat das Lerntagebuch?
14 Wie erfolgt die Lernmotivation der Schüler?
15 Was ist, wenn mein Kind eine Aufgabe mitbringt, von der ich denke, dass sie     eigentlich nicht seinem Alter entspricht?
16 Gibt es eigentlich an der Jenaplanschule Hausaufgaben?
17 Wie ist der Fachunterricht an der Jenaplanschule organisiert?
18 Wie erfolgt das Lesen-Lernen an der Jenaplanschule?
19 Soll ich mit meinem Kind lesen üben?
20 Ab wann lernt mein Kind Schreibschrift?
21 Wie wird die Rechtschreibung gelernt?
22 Wenn nicht korrigiert wird, wird dann nichts Falsches gelernt?
23 Wie werden die Leistungen der Kinder kontrolliert und eingeschätzt?
24 Wie könen die Eltern sicher sein, dass ihr Kind den Lernanforderungen gerecht wird     und ausreichendes Faktenwissen hat?
25 Nach welchen Maßstäben werden die Themen für die Werkstätten und den        vernetzten Unterrricht ausgesucht?
26 Unterstützt das Jenaplan-Konzept geschlechtergerechtes Lernen?
Schullaufbahn und Schulabschlüsse
27 Was ändert sich mit dem Wechsel in die Mittelgruppe (ab Klasse 4)?
28 Gibt es auch in der Mittelgruppe für jedes Kind einen Wochenplan?
29 Welche Abschlüsse kann mein Kind an der Jenaplanschule Rostock erwerben?
Sonstiges
30 Ist wirklich alles so gut wie es klingt?








1 Wie kann ich mein Kind an der Jenaplanschule Rostock anmelden?

In jedem Schuljahr nehmen wir 44 Schulanfänger auf. Da wir eine staatliche Schule in Trägerschaft der Hansestadt Rostock sind, gelten bei uns die regulären Anmeldedaten, die jährlich in der örtlichen Presse veröffentlicht werden.

Wer sich für die Einschulung seines Kindes an der Jenaplanschule Rostock interessiert, kann schon frühzeitig seine Kontaktdaten auf einer Interessentenliste hinterlassen. Dann laden wir Sie und Ihr Kind persönlich zum Tag der offenen Tür am letzten Donnerstag vor den Herbstferien ein. An allen Abenden dieser Woche finden pädagogische Vorträge statt, am Dienstag der für Sie besonders interessante Informationsabend zur Arbeit an unserer Schule. Im November kann Ihr Kind dann für einen ganzen Vormittag zu uns kommen. Alle Vorschulkinder erleben in Gruppen von bis zu 10 Kindern typische Arbeitsphasen und Gesprächssituationen.

Bei der schulärztlichen Untersuchung im darauf folgenden Januar/Februar wird eine Kollegin unserer Schule dabei sein, Ihr Kind beobachten und auch für Ihre Fragen zur Verfügung stehen. Wir sagen Ihnen schon zu diesem Zeitpunkt, ob wir voraussichtlich die geeignete Schule für Ihr Kind sind.

Diese Aussage und auch die Reihenfolge auf der Interessentenliste hat aber keinen Einfluss darauf, ob Ihr Kind unsere Schule besuchen kann. Diese Entscheidung trifft grundsätzlich das Staatliche Schulamt in Zusammenarbeit mit dem Schulträger entsprechend den vorliegenden Anmeldezahlen. Da wir in den letzten Jahren stets mehr Anmeldungen als Aufnahmeplätze hatten, können wir leider nicht mehr jedes geeignete Kind aufnehmen. Deshalb bitten wir Sie, sich parallel nach einer Ersatzwunsch-Schule umzusehen und sich dort ebenfalls anzumelden.



2 Werden Quereinsteiger aufgenommen?

Wir sind offen für Quereinsteiger, wenn es Platz in den Gruppen gibt. Gleichzeitig wissen wir, dass der Übergang von einer Regelschule an die Jenaplanschule mit ihren besonderen Lernformen nicht immer einfach ist. Deshalb ist gemeinsame Beratung vor und während der Umschulungsphase notwendig. Wir bitten Eltern, sich rechtzeitig an uns zu wenden, wenn sie eine Umschulung planen. Gemeinsam prüfen wir, ob diese Umschulung möglich und schließlich erfolgreich ist.

Da die Eingewöhnungsphase und die Umstellung vom frontalen Unterricht auf unsere Arbeitsweise sehr unterschiedlich ist, wird mit den interessierten Eltern und Schülern eine Probezeit vereinbart. In dieser Zeit erhält der Schüler einen Paten zur Seite gestellt. Das Hineinwachsen in die neuen Methoden soll gut gesteuert und beobachtet werden. Im Laufe der Probezeit werden mehrere Gespräche mit Eltern, Lehrern, Kind und Paten geführt. Dadurch erkennen alle Beteiligten rechtzeitig Probleme oder Schwierigkeiten und können schneller darauf eingehen. Im Abschlussgespräch wird geklärt, ob der Schüler seine Schullaufbahn an der Jenaplanschule Rostock fortsetzen kann.

 

3 Ist die Jenaplanschule Rostock eine Ganztagsschule?

Die Schüler der Jahrgänge 1 bis 4 und nach Vereinbarung auch 5 bis 6 werden über den vom Schulverein organisierten Hort am Nachmittag betreut. In dieser Zeit können die Schüler an ihren Aufgaben weiterarbeiten, sie können zusätzliche Kurse besuchen (z.B. Töpfern, Sportspiele, ...), frei spielen oder Angebote der Erzieherinnen wahrnehmen. Nach Absprache finden darüber hinaus von den Schülern selbst geleitete Projekte oder Arbeitsphasen außerhalb der Schulzeit in den Räumen der Schule statt.
Die Jenaplanschule Rostock ist keine Ganztagsschule.

4 Wie ist die Schule organisiert?

An der Jenaplanschule gibt es sechs Untergruppen (Jahrgänge 1 bis 3), sechs Mittelgruppen (Jahrgänge 4 bis 6) und zur Zeit drei Gruppen in der Sekundarstufe II (zur Zeit Jahrgänge 7 und 8 sowie 9 und 10). Im Vollausbau der Schule werden es bis zur zehnten Jahrgangsstufe 20 Gruppen und bis zum Abitur 22 Gruppen sein.

Die Untergruppen heißen:

  • Regenbogen
  • Wirbelwind
  • Pusteblume
  • Sternschnuppe
  • Funkelstein
  • Kunterbunt

Sie haben durchschnittlich jeweils 22 Schüler.

Jede Untergruppe ist einer Mittelgruppe (usw.) zugeordnet, so dass die Schüler in der Regel gemeinsam in die nächst höhere Gruppe wechseln.

 

5    Wie ist der Schultag strukturiert?

Im Schuljahr 2009/2010 sieht der Tagesablauf in den Untergruppen wie folgt aus:

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

8:00 Uhr
1. Block

9:30 Uhr

Frühstücks- und Hofpause

10:10 Uhr

2. Block

11:40 Uhr

5. Stunde Schwimm-unterricht für Klasse 3

5. Stunde

12:00 – 13:10 Uhr Englisch für Klasse 3

 

5. Stunde

12:00 – 13:05 Uhr Englisch für Klasse 3

5. Stunde

11:45 – 12:30 Uhr Feier

Hort ab 11:40 oder nach der letzten Unterrichtsstunde
mit Mittagessen und an mehreren Tagen mit weiterer Wochenplanarbeitszeit

In den höheren Gruppen verlängert sich die Tagesarbeitszeit je nach Stundentafel.

 

6   Welche Unterrichtsfächer gibt es an der Jenaplanschule?

Es werden die Rahmenplaninhalte aller gesetzlich vorgesehenen Fächer unterrichtet. Viele Fachinhalte sind vernetzt, zum Beispiel in der sogenannten Stammgruppenarbeit (SGA) und im Vernetzten Unterricht (VU).

Es werden Religion und Philosophieren mit Kindern / Philosophie angeboten. Ab der dritten Klasse beginnt die erste Fremdsprache (Englisch). Ab der 7. Klasse folgt die zweite Fremdsprache (Französisch). In den beiden Untergruppen mit erweitertem Musikunterricht werden zwei statt einer Wochenstunde Musik erteilt.

 

 

7    Wie viele Wochenstunden haben die Kinder an der Jenaplanschule?

Die Wochenstundenzahl entsprechen den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Das sind in der Untergruppe Jahrgangsstufe 1 pro Woche 21 Stunden. Weitere Arbeitszeiten gibt es im Hort. Die Stundenzahl erhöht sich im Verlauf der Schulzeit. In der Jahrgangsstufe 10 gibt es zusätzliche Zeiten für die Vorbereitung auf den Wechsel in die Sekundarstufe II (Abitur).

 

 

8   Welche Funktion hat ein Stammgruppenleiter?

Stammgruppenleiter haben in allen Stufen die gleichen gruppenbildenden und sozialen Aufgaben. Außerdem kümmert er sich um die Entwicklungsgespräche und ist erster Ansprechpartner für Kinder und Eltern.

Die Intensität der unterrichtlichen Begleitung der Kinder durch den Stammgruppenleiter nimmt mit aufsteigendem Alter ab, da verstärkt Fachlehrer in den Unterricht einbezogen werden.

In der Untergruppe soll der Stammgruppenleiter den gesamten Unterricht weitgehend abdecken. In der Mittelgruppe soll der Stammgruppenleiter in Zusammenarbeit mit dem Fachlehrerteam möglichst viel Unterricht in seiner Gruppe haben. Dazu gehören mindestens die Morgenkreise, die Feiern und die VU-Stunden. Einzelne Stunden werden durch andere Lehrer abgedeckt.

 

9           Wie kommen Lehrer an die Jenaplan-Schule und welche Voraussetzungen sind nötig?

Das Jenaplan-Konzept verlangt von den Lehrkräften ein intensiveres Engagement, als es an „normalen“ Regelschulen der Fall ist. Obwohl dieser Einsatz keine zusätzliche monetäre Anerkennung findet, sind wir froh und stolz, dass die Mehrheit unserer Lehrkräfte die Jenaplan-Pädagogik lebt. Wir suchen weitere Lehrer, die darauf Lust haben!

Ein Teil der Lehrer insbesondere in den Mittel- und Obergruppen ist an unsere Schule abgeordnet worden, ohne dass sie oder wir Einfluss darauf hatten.

Viele Lehrer sind bereit, die der Jenaplan­pädagogik entsprechende Lehrerrolle, die neuen Methoden und die anderen Herangehensweisen zu erlernen und anzuwenden. Für andere ist das schwieriger: Da sie wenig reformpädagogische Erfahrungen haben, fehlt ihnen anfangs oft das Vertrauen in unsere Unterrichtsformen. Sie fürchten um den Lernerfolg ihrer Schülerinnen und Schüler und orientieren sich bei Schwierigkeiten deshalb an den ihnen geläufigen Unterrichtsformen. Das ändert sich meist spätestens mit dem Ende des ersten Schuljahres dieser neuen Lehrer an unserer Schule, wenn sie das neue Lehrerbild annehmen. Trotzdem kann das jeweils erste Jahr sowohl für die neuen Lehrer als auch für die betroffenen Schüler, Eltern und Lehrer-/Erzieher-Kollegen mit Schwierigkeiten verbunden sein.

 

Eltern und Schule

10    Ist die Mitarbeit von Eltern erwünscht?

Die Zusammenarbeit von Lehrern, Erziehern, Schülern und Eltern bei der Entwicklung unserer Schule ist für uns grundlegend. Sie ist Voraussetzung für die gute Entwicklung jedes einzelnen Kindes.

 

11   Wie ist die Elternbeteiligung organisiert?

Zu Beginn jeden Schuljahres finden Stammgruppenelternabende in der Schule statt, zu denen der jeweilige Stammgruppenleiter einlädt. Die Eltern erhalten die Möglichkeit sich gegenseitig kennen zu lernen und bekommen einen ersten Einblick in die Anforderungen des neuen Schuljahres. In diesem Rahmen findet auch die Wahl der Stammgruppenelternräte statt, die sich in den Jahrgangsstufen 1 bis 4 sowohl für die Schule als auch für den Hort zuständig fühlen.

In vielen Stammgruppen finden in loser Folge etwa alle 2 Monate Elternstammtische statt. Dazu lädt der Elternrat alle interessierten Eltern einer Gruppe ein, häufig werden auch Stammgruppenleiterin und zuständige Erzieherin eingeladen. Diese Abende finden nicht zwingend in der Schule statt und sollten von den Eltern unbedingt als Forum für ihre Fragen und Probleme an Stammgruppenleiter und Horterzieher genutzt werden. Neben organisatorischen Dingen werden hier auch einzelne Werkstattziele[1] und Ergebnisse aus dem Unterricht vorgestellt.

Zur Zeit zweimal im Jahr bieten die Lehrer Termine für individuelle Elterngespräche an. Es wird erläutert, wo Stärken und Entwicklungsbedarf des Kindes liegen und wie gemeinsam daran gearbeitet werden kann, diese Leistungen auszubauen. Aber auch außerhalb dieser Termine besteht jederzeit die Möglichkeit, Gesprächstermine zu vereinbaren. Die Lehrer wenden sich bei Bedarf sofort an Sie. Und auch Sie als Eltern sollten und dürfen bei Fragen und auftretenden Problemen zeitnah an den Lehrer herantreten, um Schwierigkeiten möglichst sofort zu klären. In der Regel erhalten die Eltern eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse von ihrem Stammgruppenleiter, um die Kontaktaufnahme zu vereinfachen.

Jede Stammgruppe entsendet Vertreter in die Gesamtelternvertreterkonferenz (GEVK), die für alle Elternbelange von Schule und Hort zuständig ist.

Aus der Gesamtelternvertreterkonferenz werden wiederum Vertreter in die Gesamtkonferenz mit Schulkonferenz (GKmSK) entsandt, die paritätisch aus Eltern, Lehrern, Erziehern/Schulverein und Schülern sowie einem Vertreter des Schulträgers zusammengesetzt wird und das höchste beschlussfassende Gremium der Schule ist.

Außerdem gibt es verschiedene Projekt- und Leitzielarbeitsgruppen, in denen gemeinsam an der Schulentwicklung oder an konkreten Vorhaben gearbeitet wird.

 

12   Wie können Eltern ihr Kind beim Lernen unterstützen?

Zeigen Sie gelassenes Interesse an den Erlebnissen und Ergebnissen Ihres Kindes. Schlüpfen Sie dabei jedoch nicht in die Rolle eines Hilfslehrers. Die Hauptverantwortung für das selbstständige schulische Lernen liegt beim Kind und bei den Lehrern. Es ist nicht Aufgabe der Eltern, mit ihrem Kind den Schulstoff zu üben, es sei denn, das wird ausdrücklich mit dem Lehrer vereinbart.

Zeigen Sie Geduld und Vertrauen gegenüber Ihren Kindern und gegenüber den Lehrern. Sprechen Sie im Zweifel und bei Sorgen immer zuerst die Lehrer (und nicht die Kinder) an.

Helfen Sie Ihrem Kind bei der Arbeitsplanung, statt bei der Arbeit selbst.

Eröffnen Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, in der Bibliothek und in anderen Quellen zu recherchieren. Nachschlagewerke und Wissensspeicher jeder Art sowie eine allgemeine Hausbibliothek an Kinder- und Jugendbüchern sind für den Lernprozess sehr hilfreich. In besonderen Fällen gibt der Lehrer individuelle Empfehlungen. Zusätzliche Lehrbücher sind nicht nötig.

Lesen Sie Elternbriefe, die Aufgabenblätter zu den Projekten, die Zwischenauswertungen und in der Untergruppe wöchentlich auch das Lerntagebuch.

 

Lernorganisation und Leistungsmotivation

13   Welche Funktion hat das Lerntagebuch?

In den Untergruppen schreiben die Kinder täglich die geleistete Arbeit in ihr Lerntagebuch. Es enthält den Wochenplan und die Wochenauswertung.

In den Mittel- und Obergruppen notieren sich die Schüler in ihren Aufgabenheften die Aufgaben des Selbstlernprogramms (SLP), die Aufgaben zur Vor- und Nachbereitung des Unterrichtstages und die notwendigen Materialien für den Fachunterricht.

Die Verantwortung für die Vollständigkeit der Hefte liegt in allen Stufen bei den Schülern. Sie lernen die Führung der Hefte im Unterricht. Wird von Lehrern oder Eltern die Unvollständigkeit der Einträge festgestellt oder vermutet, trainieren die Lehrer mit dem betreffenden Kind die Führung des Heftes intensiver.

Eine tägliche Mitschrift der erledigten Aufgaben ist oberhalb der Untergruppe aus arbeitsorganisatorischen und pädagogischen Gründen nicht sinnvoll.

 

14   Wie erfolgt die Lernmotivation der Schüler?

Es ist Aufgabe der Lehrkräfte, jedes Kind individuell zu fördern und ggf. gemeinsam mit den Eltern Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Lernmotivation des Kindes erhalten bleibt und steigt. Primäre Motivation entsteht durch Selbstständigkeit, Erkenntniszuwachs, selbstverantwortete Erfolge und durch ihre Neugier auf Themen aus der Lebens- und Interessenwelt der Kinder. Sekundäre Motivation durch Belohnungs- oder Strafsysteme vermeiden wir möglichst.

 

15   Was ist, wenn mein Kind eine Aufgabe mitbringt, von der ich denke, dass sie eigentlich nicht seinem Alter entspricht (z.B. die Erforschung des Universums, das Gehirn)?

Jedes Thema der Welt kann vom Kind auf seine Weise altersgerecht bearbeitet werden. Die Herangehensweise und die Bearbeitungstiefe knüpfen dann immer an dem derzeitigen Leistungsstand des Kindes an. Die Offenheit des Lernens und des Ergebnisses ist ein pädagogisch gewollter Prozess. Es ist nicht Ziel, ein Niveau zu erreichen, dass nur mit intensiver fachlicher Elternhilfe möglich wäre. Im Mittelpunkt stehen die Interessen, Arbeitsweisen, Fähigkeiten und Entscheidungen des Kindes selbst, um seine Arbeits- und Lernmotivation durch selbstverantwortete Erfolge zu erhöhen. Eltern können durch interessiertes Nachfragen Ihrem Kind beim Versprachlichen und Sortieren seiner Lernergebnisse helfen. Sie müssen gleichwohl nicht korrigierend oder erweiternd eingreifen.

 

16  Gibt es an der Jenaplanschule Hausaufgaben?

Die Schüler müssen vorbereitet in den Unterricht kommen. Das heißt, dass außerhalb von Schule und Hort

-         Recherche-Aufgaben für Werkstätten und Projekte z.B. in der Bibliothek erledigt werden dürfen,

-         noch unsichere Vokabeln, Malfolgen oder Definitionen gelernt werden müssen,

-         in Ausnahmefällen in der Schule begonnene Aufgaben für die folgende Kursstunde fertiggestellt werden (wenn dieser Heimarbeitsbedarf öfter auftritt, bitte die Lehrkraft ansprechen, um Gründe und Förderbedarf zu ermitteln!),

-         Unterrichtsinhalte aufgefrischt werden sollen und

-         die passenden Arbeitsmaterialien, Elternbriefe u.ä. ein-(und aus-)gepackt werden können.

Darüber hinaus gibt es keine Hausaufgaben im herkömmlichen Sinne.

Die Schüler sollen lernen, ihre Zeit und Aufgaben altersgerecht selbst einzuteilen und in eigener Verantwortung zu erledigen. Dabei werden sie von den Lehrkräften begleitet. Wenn Eltern sich hinsichtlich dieser Begleitung oder über die Fähigkeit ihres Kindes zur Selbstorganisation unsicher sind, bitten wir um Rücksprache mit der Stammgruppenleiterin oder der entsprechenden Lehrkraft.

Es ist ausdrücklich nicht vorgesehen, dass zu Hause über das oben Genannte hinaus an Aufgaben oder Übungen gearbeitet wird. Neben der Entlastung der Eltern-Kind-Beziehung geht es dabei besonders um die Erhaltung der primären Lernmotivation der Schüler, die durch selbstverantwortete Leistungen und Ergebnisse gestärkt wird.

 

17   Wie ist der Fachunterricht an der Jenaplanschule organisiert?

Der Fachunterricht verteilt sich auf Stammgruppenarbeitszeiten (SGA), Wochenplanzeiten (WP), Kursstunden und ab den Mittelgruppen zusätzlich auf Vernetzter-Unterricht-Zeiten (VU), Selbstlernprogramm-Zeiten (SLP), Konsultationszeiten usw. Er entspricht vom zeitlichen Umfang her dem staatlichen Rahmenplan.

Fachbezogene Kursstunden dienen dabei besonders der Systematisierung des Wissens, soweit sie von den Schülern nicht in selbständiger Arbeit geleistet werden kann. Die Kursstunden werden in den Mittelgruppen in allen Fächern (außer den Fremdsprachen) und in den Ober- und Untergruppen teilweise jahrgangsgemischt durchgeführt.

Die Jahrgangsmischung – ein Grundprinzip der Jenaplanpädagogik – ermöglicht den Kindern das Lernen direkt auf ihrem derzeitigen Leistungsniveau, durch:

  • Synergieeffekte bei der Vermittlung des Lernstoffes,
  • Lernen durch Lehren,
  • individuelle Erklärungen des Lehrers für einen (oder einzelne) Schüler,
  • auf den Schüler passende offene Aufgabenstellungen
  • und vieles mehr.


18   Wie erfolgt das Lesen-Lernen an der Jenaplanschule?

Unsere Schüler arbeiten nach der Methode „Lesen durch Schreiben“ von Jürgen Reichen. In einem Elternabend zum Schuljahresbeginn werden die Besonderheiten dieser Form des Lesenlernens erklärt.

Zu ihr gehören besonders geschaffene Schreibanlässe, Denktrainer, Konzentrations- und Knobelaufgaben. Erweitert wird das Programm von J. Reichen durch Lerntrainer. Wichtig sind weiterhin Sinnerfassungsübungen für Sätze und einfache Texte. Dabei lesen die Kinder vor allem still und erschließen sich altersgerecht die Kinderliteratur.

 

19   Soll ich mit meinem Kind lesen üben?

Nein, auf keinen Fall! Das Vorlesen darf im ersten Schuljahr nicht trainiert werden. Erst ab dem 2. Schuljahr wird es von den Lehrern langsam angebahnt.

 

20   Ab wann lernt mein Kind die Schreibschrift?

Je nach Leistungsvermögen beim Schreiben mit Druckbuchstaben wird nach einem in der Schule zu absolvierenden Buchstabentest individuell in Klasse 1 oder 2 mit der Schreibschrift begonnen.

 

21  Wie wird die Rechtschreibung gelernt?

Rechtschreibung ist uns wichtig. In Vergleichsarbeiten schneiden unsere Schüler auch in Rechtschreibung besser als der Durchschnitt ab.

Gleichzeitig betrachten wir Rechtschreibung als eine sekundäre Fähigkeit. Sinnerfassendes Lesen, mündlicher und schriftlicher Ausdruck, grammatikalisch richtiges Sprechen und Schreiben, logisches Denken und die angemessene Präsentation von Arbeitsergebnissen sind uns wichtiger.

Das Richtig-Schreiben erreicht jedes Kind zu einem anderen Zeitpunkt, der nicht nur von seinen Fähigkeiten und den Unterrichtsinhalten, sondern besonders auch von der eigenen Motivation zum richtigen Schreiben abhängig ist. Dabei wird es individuell von der Lehrkraft begleitet.

Im Ausdrucksunterricht verfassen die Schüler bereits in den ersten Schulmonaten umfangreiche Texte. Dabei muss sehr behutsam mit den selbstverfassten Texten umgegangen werden. Die Korrektur von Rechtschreibung darf erst ab Klasse 2 in von der Lehrkraft sorgfältig ausgewählten Einzelsituationen erfolgen, um beim Kind die Schreibmotivation (und damit später auch die Rechtschreibung) zu erhalten und zu stärken.

Ab der 2. Klasse wird verstärkt Wert auf die rechtschreibliche Sicherung des Grundwortschatzes gelegt. Die Arbeit mit der Lernbox gehört zu den täglichen Aufgaben. Die Schüler erhalten Einblicke in grammatikalische Besonderheiten. Bis zum Ende der 9. Klasse sollten Kinder bekannte Wörter in der Regel weitgehend fehlerfrei schreiben und bei unbekannten Wörtern die rechtschreiblichen Besonderheiten erkennen können.

 

22  Wenn nicht korrigiert wird, wird dann nicht Falsches gelernt?

Grundsätzlich ist diese Ansicht überholt. Wo es für das selbstständige Weiterlernen des Kindes nötig ist, wird – angeleitet durch die Lehrkräfte – selbstverständlich in ausreichendem Maße korrigiert. Auf die Rechtschreibung bezogen: Durch das frühe selbstständige Lesen der Kinder nehmen die Kinder Rechtschreibung bewusst wahr und wenden ihre Erfahrungen – in unterschiedlichem Maße – bei der eigenen Textproduktion an. (s. auch oben)

 

23  Wie werden die Leistungen der Kinder kontrolliert und eingeschätzt?

Es gibt vielfältige Kontrollweisen, je nach Art der Aufgabe und je nach Verankerung im Unterricht, zum Beispiel die Beobachtungen durch die Lehrkräfte, gegenseitige Kontrolle, Selbstkontrolle, Einzelgespräche mit dem Lehrer, Tests am Ende eines Lernabschnittes und vielfältige andere Formen. Verantwortlich ist der aufgabenstellende Lehrer.

Fremd- und Selbsteinschätzung sind ein Schwerpunkt unserer pädagogischen Tätigkeit an der Jenaplanschule. Mehrmals täglich in unterschiedlichen Formen mit unterschiedlichen Partnern erfahren und reflektieren die Schüler ihren jeweiligen Leistungsstand und ihre Entwicklung.

Die Kontrolle zielt dabei immer auf das erarbeitete Wissen und wird nicht zwingend am Material (Hefter, Aufgabenblatt) durchgeführt (sondern beispielsweise in der Anwendung, im Unterrichtsgespräch, im Einzelgespräch, im Test, ...). Wichtig ist uns, dass diese Leistungs-Kontrolle als ermutigende Hilfe für das Kind verstanden wird, mit der es aufgezeigt bekommt, an welcher Stelle es weitere Lernanstrengungen unternehmen muss. Leistungs-Kontrolle dient nicht zur Abstrafung von Defiziten oder Arbeitsverhalten.

 

24   Wie können Eltern sicher sein, dass ihr Kind den Lernanforderungen gerecht wird und ausreichendes Faktenwissen hat?

Der große Teil des Lernens unserer Kinder ist erkundendes Lernen. Dafür sind zuerst Orientierungs- und Methodenwissen notwendig. Sie lernen, Wege zu Antworten zu finden, wenn sich ihnen die entsprechenden Fragen stellen.

Dabei ist eine Grundmenge an Fakten und Daten wichtig. Diese Grundmenge wird von den Kindern erarbeitet und beherrscht.

Wir vermeiden es aber gleichzeitig, unsere Schüler mit Wissen vollzustopfen, das sie nur bis zum nächsten Test verfügbar haben und dann sofort wieder (weitgehend) vergessen. Lernen ist für uns nachhaltiges Lernen, nicht vorrangig Auswendiglernen.

Unsere zukünftigen Schulabgänger werden damit auch gut auf ein naturwissenschaftliches Studium vorbereitet sein, denn sie haben das Lernen gelernt und verstehen es, in Zusammenhängen zu denken.

Die Erfolge bei den bundesländerübergreifend einheitlichen VERA-Vergleichsarbeiten zeigen, dass die Leistungen unserer Schüler in allen getesteten Fächern über dem Durchschnitt liegen. Die Ergebnisse werden zum Tag der offenen Tür im Oktober öffentlich ausgehängt und vorher schon in Eltern­versammlungen ausgewertet. Außerdem gibt es bei Bedarf individuelle Elterngespräche. Weiterhin lassen sich die Ergebnisse (anonymisiert) bei der Schulleitung einsehen.

 

25  Nach welchen Maßstäben werden die Themen für die Werkstätten (vorrangig Untergruppe) und für den Vernetzten Unterricht (ab Mittelgruppe) ausgesucht?

Innerhalb von drei Jahren müssen alle im Rahmenplan und im schulinternen Lehrplan für diesen Zeitraum vorgegebenen Lerninhalte bearbeitet werden. Zu diesem Zweck wurden die zu den einzelnen Zielen passenden Themen zusammengefasst und fächerübergreifend verknüpft. Im Thema Wüste beispielsweise sind die Rahmenplaninhalte Reptilien, Klimazonen, Topografie, Klimadiagramme, Vegetationszonen, Reisetagebuch, Orientierung auf der Landkarte, Maße und anderes enthalten. Außerdem muss sich ein Thema so auffächern lassen, dass individuelles Lernen und Forschen an eigenen Teilthemen (Wüste Gobi, Sahara, ...) möglich ist. Projekte sollen gleichzeitig spannend und lehrreich für die Kinder sein. Sie sollen ihr Interesse und ihre Phantasie wecken.

In den Präsentationsphasen und im begleitenden Kursunterricht werden die individuellen Arbeitsergebnisse systematisiert und für alle zusammengeführt.

 

26  Unterstützt das Jenaplan-Konzept geschlechtergerechtes Lernen?

Jungen und Mädchen lernen in bestimmten Altersphasen mit anderer Intensität und Motivation. Erfahrungsgemäß beginnt die intensive Lernphase der Jungen deutlich später als bei Mädchen, wobei in der Untergruppe die Unterschiede noch nicht so stark wirksam sind.

Die Stärke des Jenaplan-Konzeptes liegt auch gerade darin, Jungen in Phasen des verringerten Lernens nicht auszusortieren, sondern mitzutragen und ihnen dadurch die Chance auf hohe Schulabschlüsse zu erhalten.

 

 

Schullaufbahn und Schulabschlüsse

27   Was ändert sich mit dem Wechsel in die Mittelgruppe (ab Klasse 4)?

Es gibt einen klaren Anschluss in den Kompetenzen, die bis zur dritten Klasse erreicht und in der vierten Klasse benötigt werden. Diese Kompetenzen entsprechen dem Rahmenplan und dem schulinternen Lehrplan. Gleichzeitig besteht ein Sprung in der erwarteten Selbstverantwortlichkeit für das eigenen Lernen, der von den Lehrern begleitet werden muss und der erfahrungsgemäß bis zum Ende des ersten Schulhalbjahres geschafft ist. Dafür brauchen alle Beteiligten Geduld und Vertrauen. Denn der Übergang aus dem sehr behüteten Umfeld der Untergruppe in das durch mehr (Fach-)Lehrer und höhere Selbständigkeit geprägte Umfeld der Mittelgruppe ist eine Herausforderung für alle Schüler.

Diese Herausforderung ist gleichzeitig eine große Chance. Unsere Erfahrungen zeigen, dass dieser frühe Aufstieg in die Sekundarstufe entwicklungsgerecht ist. Schüler der vierten Klasse suchen nach neuen Zielen und brauchen neue Entfaltungsräume.

28  Gibt es auch in der Mittelgruppe für jedes Kind einen Wochenplan?

Der Wochenplan der Untergruppen wird durch die fachbezogenen Aufgabenlisten des „SLP“ („Selbstlernprogramm“) und den „vernetzten Unterricht“ (VU) mit seinen Projekten und Leistungsnachweisen abgelöst.

 

29   Welche Abschlüsse kann mein Kind an der Jenaplanschule Rostock erwerben?

Zur Zeit kann die Schule mit der Berufsreife und mit der mittleren Reife abgeschlossen werden. Wir rechnen damit, dass im Jahr 2017 zum ersten Mal das Abitur abgelegt wird. Schüler, die 2010 die fünfte Klasse besuchen, könnten zum ersten Abiturjahrgang gehören. Das Abitur wird an der Jenaplanschule Rostock nach drei Jahren abgelegt. Alle Schüler absolvieren zuvor in der 10. Klasse die Prüfung zur Mittleren Reife. Für alle zukünftigen Abiturschüler geht die 10. Klasse nach der Realschulprüfung mit speziellen Kursen in Vorbereitung auf die Sekundarstufe II weiter. Bis zum Vollausbau unserer Schule kooperieren wir für das Abitur mit einer anderen Schule, die sich zur Aufnahme unserer Schüler verpflichtet hat und mit der eine enge pädagogische Zusammenarbeit besteht.

 

Sonstiges

30  Ist wirklich alles so gut, wie es klingt?

Es ist uns wichtig, offen und ehrlich auch mit den Sachen umzugehen, die nicht so gut laufen – unabhängig davon, wo wir die Ursachen für diese Schwierigkeiten sehen.

Gleichzeitig sind wir uns sicher, dass große Stärken im Jenaplan-Konzept stecken. Diese Zuversicht wollen wir nach außen tragen und sind dabei manchmal vielleicht nicht differenziert genug. Dadurch unterschätzen wir möglicherweise gelegentlich die Sorgen, die bestehen oder die Schwierigkeiten, die wir überwinden müssen. Wir sind dankbar und offen für die Hinweise und die Unterstützung, die wir in der Zusammenarbeit von Lehrern, Erziehern, Eltern, Mitarbeitern und Schülern erleben.



[1] Eine Erläuterung der einzelnen Arbeitsformen wie Werkstatt, Vernetzter Unterricht, Wochenplan usw. finden Sie im Schulkonzept, das wir Ihnen auf Anfrage gern als PDF zur Verfügung stellen.

Jenaplanschule Rostock

Jenaplanschule
"Peter Petersen"

Lindenstraße 3 A
18055 Rostock

Telefon:0381 / 200 75 23
Telefon Hort:0381 / 200 38 09

Schulleiter:Martin Plant


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